Änderungen, Zensur und Unterdrückung  
 
  Update-Material 2. 12.12.2017 02:28 (UTC)
   
 

Historiker sehen sich einer Krise gegenüber

Seit wir obiges geschrieben haben, hat sich die Situation, der sich die Mormonenhistoriker gegenüber sahen, weiter verschlechtert. Professor Louis C. Midgley griff offen die „Neue Mormonengeschichte“ in einem Papier an, das an der Western History Association präsentiert wurde. Im Sunstone Review, Bd. 1, Nr. 3, S. 16, finden wir folgendes:

„Von besonderem Interesse für Studenten des Mormonismus war die Sitzung… in der Louis C. Midgley ein Papier präsentierte: ‚Eine Kritik von Mormononhistorikern: Die Frage des Glaubens und der Geschichte’. Midgley, ein Professor an der Abteilung der Regierung an der Brigham-Young-Universität, hat an einem buchlangen Manuskript gearbeitet, mit dem er die Methodik von ‚Neue Mormonengeschichte’ angreift…

Indem er das neulich erschienene professionelle, historische Schriftstück über die und von den Mormonen ‚New Mormon Apology’ anführte, argumentierte Midgley, dass das, was hinter dem Schriftstück dieser neulich erschienenen Mormonengeschichte steckt, ein vorschnelles Kleinbeigeben zu kritischen Äußerungen ist,… Er klagt insbesondere einige Mormonenhistoriker an, den traditionellen Mormonenglauben zu unterminieren… er argumentierte, dass einige Mormonenhistoriker nach einem ‚Mittelfeld’ suchten - eine Position, die irgendwie zwischen den traditionellen Positionen schwebt, dass Joseph Smith entweder ein Prophet oder ein Betrüger war. Wenn die Historiker nicht die Prophetenseite wählen, ist für Midgley nur die andere Position möglich. Es gibt nicht nur kein Mittelfeld, sondern für einen Historiker heißt es, wenn er den Glauben schweben lässt oder ‚objektiv’ ist, dass er für die Ungläubigen Partei ergreift.“

Davis Bitton, der als Assistierender Kirchengeschichtsschreiber unter Leonard Arrington gedient hat, reagierte auf Professor Midgleys Argumente.

Der große Reinfall für die Mormonenhistoriker kam aber am 22. August 1981, als Boyd K. Packer, einer der Zwölf Apostel der Kirche „die Kirchenhistoriker dafür kritisierte, in ihren Geschichtsberichten, ‚die Dinge des Geistes aufzugeben’.“ (Seventh East Press, An Independent Student Weekly, Provo, Utah, 6. Okt. 1981) Dass Apostel Packer es in seiner Rede ernst meinte, wurde offensichtlich, als sie als Leitartikel in der Sommer-1981-Ausgabe der Brigham University Studies erschien. In dieser Rede gab Packer folgende Warnung an die Kirchenhistoriker:

„Ich bin zum Glauben gekommen, dass viele Mitglieder der Kirche, die eine Menge Zeit mit akademischer Forschung verbracht haben, die Tendenz zeigen, damit zu beginnen, die Kirche, ihre Lehren, die Organisation und die Führerschaft der Gegenwart und der Vergangenheit auf Grund der Grundsätze ihres eigenen Berufes zu beurteilen… Nach meiner Meinung sollte es umgekehrt sein…

Ihr Seminarlehrer und einige von euch Instituts- und BYU-Männern werdet in diesem Schuljahr die Geschichte der Kirche lehren. Dies ist eine nie da gewesene Gelegenheit im Leben eurer Studenten, ihren Glauben und ihr Zeugnis von der Göttlichkeit dieses Werkes wachsen zu lassen. Euer Ziel sollte es sein, dass sie die Hand des Herrn in jeder Stunde und in jedem Augenblick der Kirche von Anfang an bis heute sehen können… da gibt es nichts wie eine akkurate oder objektive Geschichte der Kirche, die den Geist ignoriert… Kirchengeschichte kann so interessant und inspirierend und in der Tat ein mächtiges Werkzeug sein, um Glauben aufzubauen. Wenn sie nicht richtig geschrieben oder gelehrt wird, kann sie ein Glaubenstöter sein.

Präsident Brigham Young ermahnte Karl G. Maeser nicht einmal den Terminkalender ohne den Geist des Herrn zu lehren. Wie viel wichtiger ist dieser Geist bei der Forschung, beim Schreiben und Lehren der Kirchengeschichte…

Für den Schreiber oder den Lehrer der Kirchengeschichte gibt es die Versuchung, alles erzählen zu wollen, ob es von Wert oder glaubensfördernd ist oder nicht.

Einige Dinge, die wahr sind, sind nicht sehr nützlich.

Historiker scheinen stolz darauf zu sein, etwas Neues zu veröffentlichen, besonders wenn es die Schwäche oder Fehler einer prominenten historischen Figur zeigt…

Der Schreiber oder der Lehrer, der eine übertriebene Loyalität der Theorie gegenüber besitzt, dass alles gesagt werden muss, legt ein Fundament für sein eigenes Gericht…

Vor einiger Zeit gab ein Historiker eine Lektion vor einer Zuhörerschaft von College-Studenten über einen vergangenen Präsidenten der Kirche. Es schien seine Absicht zu sein, zu zeigen, dass dieser Präsident menschlichen Schwächen erlegen war. Er stellte viele so genannte Fakten vor, die den Präsidenten in ein sehr ungünstiges Licht rückten, besonders wenn sie aus dem Zusammenhang der historischen Zeitperiode, in der er lebte, gerissen wurden…

Das Lehren von Dingen, die wahr sind, aber verfrüht oder zur falschen Zeit, kann Kummer und Herzweh einladen, an Stelle von Freude, die eigentlich das lernen begleiten sollte… Die Schriften lehren ausdrücklich, dass wir Milch geben müssen, bevor wir Fleisch geben. Der Herr machte es sehr deutlich, dass einige Dinge selektiv gelehrt werden müssen und einige Dinge nur denen gegeben werden dürfen, die würdig sind.

Es spielt nicht nur eine große Rolle, was uns gesagt wird, sondern wann es uns gesagt wird. Seid vorsichtig, damit ihr eher Glauben aufbaut als ihn zerstört.

Präsident William E. Berrett hat uns gesagt, wie dankbar er ist, ein Zeugnis darüber, dass die vergangenen Führer der Kirche Propheten Gottes waren, in seinem Herzen fest verankert zu haben, bevor ihm einige der so genannten Fakten offen gelegt wurden, die Historiker in ihre veröffentlichten Schriften gesetzt haben…

Was dieser Historiker mit dem guten Ansehen des Präsidenten der Kirche tat, war unwürdig. Er schien entschlossen, jeden zu überzeugen, dass der Prophet ein Mensch war. Wir wissen das schon. Alle Propheten und alle Apostel sind Menschen gewesen. Es wäre für ihn viel lohnenswerter gewesen, uns davon überzeugt zu haben, dass der Mensch ein Prophet war, eine Tatsache, die genauso wahr ist wie die Tatsache, dass er ein Mensch war.

Er hat einiges aus der Erinnerung an einen Propheten weggenommen. Er hat Glauben zerstört…

Dieser Historiker oder Gelehrte, der sich daran erfreut, die Schwächen und Schwachheiten der heutigen oder vergangenen Führer aufzuzeigen, zerstört Glauben. Ein Zerstörer von Glauben – besonders einer in der Kirche, und besonders einer, der extra dafür angestellt ist, Glauben aufzubauen – bringt sich selbst in große geistige Gefahr. Er dient dem falschen Meister und, es sei denn, er tut Buße, so wird er nicht unter den Getreuen in den Ewigkeiten sein…

In der Bemühung , objektiv, unparteiisch und gelehrt zu sein, mag ein Schreiber oder Lehrer unbeabsichtigt dem Widersacher angemessene Zeit geben…

In der Kirche sind wir nicht neutral. Wir sind einseitig. Es gibt einen Krieg und wir sind darin verwickelt. Es ist ein Krieg zwischen Gut und Böse und wir sind Kriegsführende, die das Gute verteidigen. Wir sind deshalb verpflichtet, allem den Vorzug zu geben und es zu beschützen, das im Evangelium Jesu Christi repräsentiert wird und wir haben hierfür Bündnisse geschlossen…

Und ich möchte in aller Ernsthaftigkeit sagen, dass es für die Geduld des Herrn in Bezug auf diejenigen eine Grenze gibt, die unter dem Bündnis stehen, Seine Kirche und Sein Reich auf Erden zu segnen und zu schützen, und es nicht tun…

Es gibt vieles in den Schriften und in unserer Kirchenliteratur, um uns davon zu überzeugen, dass wir uns im Krieg mit dem Widersacher befinden. Wir sind nicht als Kirche und auch nicht als Mitglieder verpflichtet, uns in dieser Schlacht mit dem Feind zu versöhnen.

Präsident Joseph Fielding Smith zeigte auf, dass es ein törichter General wäre, wenn er seine gesamten Nachrichten seinem Feind zugänglich machen würde. Es wird von uns nicht erwartet und es ist für uns auch nicht nötig, uns denen zu öffnen, die versuchen, aus unseren Quellen Hinweise zu beziehen, um sie zu verdrehen und gegen uns zu benutzen.

Nehmen wir einmal an‚ ein gut geführtes Unternehmen ist von der Übernahme durch ein anderes Unternehmen bedroht. Nehmen wir weiter an, dass von dem Unternehmen, das gezwungen wird, übernommen zu werden, verlangt wird, all seine Aktivposten herauszunehmen und das Unternehmen aufzulösen. Sie können sich sicher sein, dass die bedrohte Gesellschaft legalen Rat einholen wird, um sich zu schützen.

Können Sie sich vorstellen, dass der Anwalt, der unter Vertrag steht, das Unternehmen zu schützen, sich in den Kopf gesetzt hat, dass er nicht wirklich Partei ergreifen muss, dass er unparteiisch bleiben muss?

Nehmen wir einmal an, wenn die Berichte des Unternehmens, für dessen Schutz er angestellt ist, für ihn geöffnet werden, um sein Mandat vorzubereiten, dass er Beweise sammelt und einige davon dem Anwalt der gegnerischen Gesellschaft übergibt. Dann kann sich seine eigene Firma wegen seines unloyalen Verhaltens in großer Gefahr befinden.

Erkennen Sie nicht die Verletzung der Ethik oder Integrität oder Moral?

Ich denke, Sie können den Punkt erkennen, auf den ich hinaus will. Diejenigen unter Ihnen, die bei der Kirche angestellt sind, haben eine besondere Verantwortung, Glauben aufzubauen und ihn nicht zu zerstören. Wenn Sie dies nicht tun, sondern tatsächlich dem Feind gefällig sind, wer ist dann der Zerstörer des Glaubens? Sie werden in diesem Sinne dahin gehend zum Verräter, dass Sie Bündnisse geschlossen haben, zu schützen…

Sicher ist auch, dass Sie wenig Wahrheit und weniger Nutzen von denen erhalten werden, die Dokumente stehlen oder die mit gestohlenen Waren handeln. Es hat immer solche gegeben, und wir haben sie unter uns, die Zugang zu gesperrten Bibliotheken und Dateien suchen, um heimlich Material zu kopieren und es zu stehlen, in der Hoffnung, einige Einzelheiten zu finden, die noch nicht veröffentlicht worden sind – und dies, damit sie es für Geld oder Profit irgendwie durch ihre Veröffentlichung verkaufen oder ein Ego aufblähen können, weil sie die ersten waren, die es veröffentlicht haben…

Ich möchte nicht zu solchen Veröffentlichungen beitragen, auch wollte ich nicht zu Organisationen gehören, die durch Geist oder Neigung Glauben zerstörend sind. Es gibt eine Menge Gelehrter in der Welt, die entschlossen sind, alle weltlichen Wahrheiten zu finden. Es gibt so wenige von uns, relativ gesprochen, die danach streben die geistigen Wahrheiten zu übermitteln, die die Kirche schützen. Wir können nicht neutral und gleichzeitig auf der sicheren Seite sein.

Vor vielen Jahren erwähnte Elder Widtsoe einen törichten Lehrer in der Mutual Improvement Association [früher GFV = Gemeinschaftliche Fortbildungsvereinigung, heute JAE und AE], der eine Diskussion in Gang brachte, mit der Absicht, die Fähigkeiten der jungen Mitglieder der Kirche zu verbessern. Er wählte als Thema: ‚In Frage gestellt: Joseph Smith war ein Prophet Gottes.’ Unglücklicherweise gewann die Gegenseite.

Die Jugendlichen, die sich zugunsten der Behauptung aussprachen, waren nicht so klug und ihre Argumente waren nicht so sorgfältig vorbereitet wie die der Gegenseite. Die Tatsache, dass Joseph Smith ein Prophet blieb, nachdem die Diskussion vorbei war, schützte nicht einige der Teilnehmer davor, dass sie die Zerstörung ihres Glaubens erlitten und danach ihr Leben so führten, als wenn Joseph Smith kein Prophet wäre und als ob die Kirche, die er gegründet hatte, und das Evangelium, das er wiederhergestellt hatte, nicht wahr wären…

Die letzte Warnung betrifft die Vorstellung, dass es, so lange etwas schon gedruckt ist, so lange es aus einer anderen Quelle erhältlich ist, auch in Ordnung ist, wenn man es in Schriften und Belehrungen benutzt.

Sicherlich können Sie den Trugschluss darin erkennen…

Sie tun nicht gut daran, dafür zu sorgen, dass es verbreitet wird. Es kann von denen gelesen werden, die nicht reif genug sind für die „Geschichte für Fortgeschrittene“ und ein Zeugnis könnte im Keimzustand zertreten werden.

Vor vielen Jahren sprach Ezra Taft Benson zu Ihnen und sagte:

Wir sind darauf aufmerksam geworden, dass einige unserer Lehrer, besonders in unseren Universitätsprogrammen, Schriften von bekannten Abtrünnigen kaufen… um über bestimmte Gesichtspunkte informiert zu werden und für ihre Forschungsarbeit zu sammeln. Sie müssen sich bewusst sein, dass Sie, wenn Sie ihre Schriften kaufen oder ihre Zeitschriften abonnieren, helfen, ihre Sache zu unterstützen. Wir wollen hoffen, dass ihre Schriften sich nicht in ihrem Seminar oder Institut oder in ihrem persönlichen Bücherregal befinden. Wir haben Ihnen anvertraut, den Herrn und die Erste Präsidentschaft Ihren Studenten gegenüber zu repräsentieren und nicht die Ansichten der Verleumder der Kirche.

Ich gebe Ihnen diesen gesunden Rat.

Denken Sie daran: Wenn Sie die verbitterten Abtrünnigen sehen, sehen Sie nicht nur die Abwesenheit von Licht, Sie sehen auch die Anwesenheit der Finsternis.

Streuen Sie keine kranke Saat aus!“ (Brigham Young University Studies, Sommer 1981, S. 259, 262-271)

Für den Mormonengelehrten D. Michael Quinn waren Apostel Packers Worte ein Aufruf zur Schlacht. In einer emotional geladenen Rede wies Dr. Quinn die Herausforderung von Boyd K. Packer, Louis Midgley und Ezra Taft Benson zurück, der als nächster in der Rangfolge Präsident der Kirche werden würde. Die Seventh East Press berichtete:

„Die Mormonenapostel Ezra Taft Benson und Boyd K. Packer verteidigen eine Art von religiöser Geschichte, die an Abgötterei grenzt, behauptete D. Michael Quinn, Mitprofessor für Geschichte an der BYU in einer neulichen Lektion vor der Studentischen Geschichtsgesellschaft der Universität.

In einer Ansprache mit dem Titel ‚Ein Mormonenhistoriker sein’ richtete sich Quinn, der einen Dr. phil. in Geschichte von der Yale-Universität trägt, an neuliche Kritiken, die von den Ältesten Benson und Packer und dem BYU-Professor für Politwissenschaft Louis Midgley gegen Mormonenhistoriker gerichtet waren.

Mit der Aussage, dass er nur für sich spricht… erklärte Quinn, dass er im Alter von fünfzehn alle Standardwerke mit Ausnahme eines Teils des Alten Testaments gelesen hatte… Quinn erzählte auch kurz von seinem Eintritt auf das Feld der HLT-Geschichte und seinem gebetsvollen Versuch, die Geschichte zu erforschen und zu schreiben.

Indem er sich an Elder Packers Warnung richtete, dass zuvor veröffentlichtes Material nicht immer passend für die erneute Veröffentlichung sei, beschrieb Quinn die sonderbare Situation, die von den Generaltautoritäten geschaffen wurde, die Personen dafür kritisierten, dass sie Material neu druckten, das von Generalautoritäten aus einer früheren Zeitepoche als glaubensfördernd und ‚für Kinder und Neubekehrte als geeignet’ angesehen wurde.

Quinn brachte die Meinung zum Ausdruck, dass das Vermeiden der HLT-Historiker dessen, was Elder Packer ‚das Unwürdige, das Widerwärtige oder das Sensationelle’ nannte, eine fragwürdige Ehrlichkeit und fragwürdige professionelle Redlichkeit wäre und ‚der Sache der Kirche einen schlechten Dienst erweisen’ und die Kirche und ihre Historiker gerechtfertigter Kritik aussetzen würde.

Quinn erörterte auch Elder Bensons Rat gegen die ‚einhergehenden Erklärungen“ über den Hintergrund der Offenbarungen und der Kirchengeschichte. Quinn erklärte, dass das Ignorieren solcher Hintergründe in einer nichtreligiösen Geschichte ‚bestenfalls abwegig und schlimmstenfalls unredlich’ wäre. Quinn stimmte mit der Meinung überein, die Elder Benson zum Ausdruck brachte, dass die Verwendung von einhergehenden Bemerkungen als Grundlage für die Verwerfung von Joseph Smiths Inspiration unangebracht wäre. Trotzdem, fuhr er fort, ist eine Erörterung solcher Einflüsse wichtig, da ‚Offenbarungen von bestimmten Fragen herrührten, die Propheten Gott stellten, und diese Fragen kommen wegen der Umstände, die Propheten erfahren, auf’.

Elder Packers Sorge erwähnend, dass ein akkurater Geschichtsbericht der Kirche die geistigen Mächte, die in ihm wirken, in Betracht ziehen müsse, behauptete Quinn, dass Packer ‚einen Feind erschuf, den es nicht gibt’, denn es ist für jeden guten Historiker, Mormone oder nicht, unmöglich, über den Mormonismus zu schreiben, ohne die prophetischen Ansprüche seiner Führer zu erörtern…

Über Elder Packers Aussage, dass Historiker ‚die Hand des Herrn in jeder Stunde und in jedem Augenblick der Kirche’ darstellen sollten, kommentierend brachte Quinn den Glauben zum Ausdruck, dass solch eine Herangehensweise die Anschauung zeigt, ‚dass die offiziellen Handlungen und Erklärungen der Propheten immer der Ausdruck des Willen Gottes sind’, eine Position, die Quinn als ‚mormonische Entsprechung zur römisch-katholischen Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes’ ansieht. Solch eine Lehre der Unfehlbarkeit, erklärte Quinn, leugnet den Grundsatz der freien Entscheidung und richtet sich gegen Joseph Smiths Behauptung, dass ein Prophet nur ein Prophet ist, wenn er als solcher handelt. Die Einschränkungen und Fehler bedeutender Aussagen der Propheten zu ignorieren, so hat Quinn das Gefühl, wäre genauso falsch wie das Ignorieren ihrer Visionen, Offenbarungen und Zeugnisse.

Quinn fuhr mit der Erklärung fort, dass das Herunterspielen der menschlichen Seite des Propheten keine heilige Geschichte wäre, denn die heilige Geschichte der Heiligen Schriften stellt nicht nur die ‚geistigen Dimensionen und Werke von Gottes Führern’ dar, sondern sie stellt auch tatsächlich ihre Schwächen dar.

Als Beispiele zitierte Quinn ‚das Verraten der Trunkenheit Noahs, Lots Inzucht, Moses Überheblichkeit, Jonas Schwanken, die Unstimmigkeiten zwischen Petrus und Paulus, Almas Jugendsünde und die Verdammung Joseph Smiths durch den Herrn in Lehre und Bündnisse’. Während heilige Geschichte Gottes Führer als ‚verständliche, menschliche Wesen zeigt, mit denen sich die Menschen identifizieren können und dennoch den prophetischen Mantel verehren können’, erwarten die Ältesten Benson und Packer, so behauptete Quinn, eine Geschichte, die HLT-Führer ‚makellos, gütig und engelhaft’ macht. Solch eine Geschichte von ‚halbgottähnlichen Kirchenführern’, erklärte Quinn, ‚grenzt an Abgötterei’.

Während Quinn anmerkte, dass Elder Packer die Mormonenhistoriker anklagt, ‚Grundsätzliches vor der Präsentation von Geschichte für Fortgeschrittene’ zu ignorieren, brachte Quinn die Meinung zum Ausdruck, dass Elder Packer in Wirklichkeit, ‚keine allmähliche Offenlegung historischer Wahrheit verteidigt, sondern diese Möglichkeit ausklammert’. Er behauptete ferner, dass Elder Packers Versuch nicht dieselbe ist, wie Paulus’ Empfehlung von Milch vor Fleisch, sondern eher eine ständige Milchdiät. ‚Eine Milchdiät allein’, bemerkte Quinn, ‚wird das Wachstum eines Kindes behindern oder es sogar töten.’

Quinn klagte auch Packer an, eine Geschichte der Kirche zu verteidigen, die jede Information verleugnet, die von Antimormonen gegen die Kirche verwendet werden könnte. ‚Wenn dieser Maßstab angewendet worden wäre’, erklärte Quinn, ‚wäre vieles im Alten Testament, das Evangelium des Johannes und wären viele Paulusbriefe nicht in die Bibel einbezogen worden.’

Quinn brachte unter Tränen die Entmutigung zum Ausdruck, dass er als Zerstörer und Fürsprecher etikettiert wurde, weil er dem Beispiel heiliger Geschichte in der Herangehensweise und Philosophie gefolgt ist.“ (The Seventh East Press, 18. November 1981)

Da Ezra Taft Benson wahrscheinlich der Präsident der Kirche werden wird, hat es eine gewisse Sorge darüber gegeben, dass D. Michael Quinn seine Karriere als Mormonenhistoriker geopfert haben könnte, als er diese Zurückweisung vortrug. Viele Mormonen würden dies als einen großen Verlust ansehen, weil Dr. Quinn wahrscheinlich einer der besten Historiker ist, die die Kirche je hervorgebracht hat. Wie auch immer es sein mag, zeigte Quinn sicherlich eine große Menge Mut, als er öffentlich die Unterdrückungspolitik, die Benson, Packer und Midgley verteidigten, herausforderte.

Wie wir vorher schon aufgezeigt haben, scheinen Leonard Arrington seine Mächte als Kirchengeschichtsschreiber entzogen worden zu sein. Nun gibt es da noch die Frage, ob er den Titel noch behält. Obwohl von ihm in der Ausgabe vom März 1979 des The Ensign (S. 51) als „Kirchengeschichtsschreiber“ geschrieben wird, scheint eine Ankündigung für ein Buch von Arrington und Bitton zu zeigen, dass er diesen Titel nicht mehr beansprucht: „Viele Jahre lang dienten Leonard J. Arrington und Davis Bitton als Kirchengeschichtsschreiber und Assistierender Kirchengeschichtsschreiber für die Kirche Jeu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Arrington ist gegenwärtig Direktor des Joseph-Fielding-Smith-Instituts für Geschichte an der Brigham-Young-Universität und Bitton ist Professor der Geschichte an der University of Utah.“ (Sunstone Review, Bd. 1, Nr. 3, S. 23)

Der Leser wird sich erinnern, dass Apostel Boyd K. Packer einen Historiker kritisierte, weil er versuchte, „jeden zu überzeugen, dass der Prophet ein Mensch war“. Interessanterweise hat das neue Buch von Arrington und Bitton, das von „zwei Aposteln“ und anderen Mormonen handelt, den Titel Saints Without Halos: The Human Side of Mormon History [Heilige ohne Heiligenschein: Die menschliche Seite der Mormonengeschichte]. Es ist ebenfalls interessant, dass dieses neue Buch NICHT von der Kirche, sondern eher von Signature Books in Salt Lake City veröffentlicht wird.

Was Arringtons wichtigstes Projekt betrifft, die sechzehnbändige Anderthalbjahrhundertsgeschichte der Mormonenkirche, so ist ein weiteres Jahr (1981) vergangen, ohne dass die Kirche einen einzigen Band veröffentlicht hat! Der Leser wird sich erinnern, dass Arrington hoffte, dass „alle 16 Bände zu 1980 fertig sein werden“.


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